Lokalisierung
Website übersetzen oder lokalisieren: Was braucht Ihr Unternehmen im Ausland?
Eine Website übersetzen heißt, ihre Texte in eine andere Sprache zu bringen. Lokalisieren heißt, sie für einen anderen Markt anzupassen: neben dem Text auch Preise, Formate, Formulare, Bilder, Beispiele und die Begriffe, nach denen dort gesucht wird. Eine übersetzte Website kann man lesen, eine lokalisierte kann verkaufen.
Von Hatice Kölmük9 Min. Lesezeit
Was leistet eine Übersetzung?
Eine Übersetzung überträgt einen Text in eine andere Sprache und bewahrt seinen Sinn. Übersetzt ein Profi in die eigene Muttersprache, bekommen Sie korrekte, natürlich klingende Texte. Was eine Übersetzung nicht prüft: ob Angebot, Beispiele und Bestellweg im Zielmarkt Sinn ergeben. Das war nie ihre Aufgabe.
Für viele Seiten reicht das völlig. Schwierig wird es, wenn die Seite, die zum Kauf überzeugen soll, genauso behandelt wird wie ein Datenblatt.
Was kommt bei der Lokalisierung hinzu?
Das W3C, das Gremium hinter den Webstandards, beschreibt Lokalisierung als Anpassung eines Produkts, einer Anwendung oder eines Inhalts an Sprache, Kultur und weitere Anforderungen eines bestimmten Markts. Was sich dabei ändern kann, reicht weit über den Text hinaus:
- Zahlen-, Datums- und Zeitformate: Was in Deutschland 1.000,50 heißt, schreibt man im Englischen 1,000.50.
- Die Währung und die Art, wie Preise erscheinen.
- Tastaturbelegung und Sortierung, etwa wie Wörter mit Umlauten in alphabetischen Listen einsortiert werden.
- Symbole, Icons und Farben, die anderswo eine andere Bedeutung haben.
- Texte und Bilder, die in einer anderen Kultur missverstanden werden oder unpassend wirken.
- Rechtliche Anforderungen, die sich von Land zu Land unterscheiden.
Davon trennt das W3C die Internationalisierung: die Website so bauen, dass Lokalisierung überhaupt möglich ist, zum Beispiel mit Unicode durchgehend und ohne Code, der an feste Oberflächentexte gebunden ist. In der Praxis gehört für uns auch dazu, keinen Text in Bilder einzubetten und Layouts mit Luft für längere Wörter zu planen.
| Übersetzung | Lokalisierung | |
|---|---|---|
| Was sich ändert | Die Wörter | Wörter, Formate, Bilder, Angebote und Layout |
| Die Leitfrage | „Was bedeutet dieser Satz?“ | „Was erwartet ein Käufer hier?“ |
| Suchbegriffe | Ihre Keywords, übersetzt | Die Begriffe, die Menschen im Zielmarkt wirklich eintippen |
| Formulare und Checkout | Beschriftungen übersetzt | Felder, Formate und Zahlarten angepasst |
| Wer es macht | Eine Übersetzerin oder ein Übersetzer | Muttersprachliche Texter mit SEO, Design und Marktkenntnis |
| Ergebnis | Eine Website, die man versteht | Eine Website, der man genug vertraut, um dort zu kaufen |
Wann reicht es, die Website zu übersetzen, und wann müssen Sie lokalisieren?
Als Faustregel gilt: Je näher eine Seite an der Kaufentscheidung liegt, desto mehr Lokalisierung braucht sie. Für Seiten, die informieren, genügt eine gute Übersetzung. Seiten, die verkaufen, brauchen mehr.
| Seite | Reicht meist | Warum |
|---|---|---|
| Datenblätter und Anleitungen | Fachübersetzung | Leser suchen Fakten, keine Überzeugung |
| Rechtstexte und AGB | Übersetzung, geprüft von einer Juristin oder einem Juristen im Zielland | Sie müssen dort korrekt und wirksam sein |
| Startseite und Leistungsseiten | Lokalisierung | Hier entscheidet der Besucher, ob er Ihnen vertraut |
| Preise und Bestellprozess | Lokalisierung | Währung, Steuern, Versand und Zahlarten sind je Land verschieden |
| Blog | Gezielte Lokalisierung | Nur Themen, nach denen im Zielmarkt gesucht wird |
Warum bricht das Layout in einer anderen Sprache?
Weil Texte ihre Länge ändern. Das W3C zitiert Richtwerte von IBM: Ein englischer Text mit bis zu 10 Zeichen kann in der Übersetzung zwei- bis dreimal so lang werden, Texte über 70 Zeichen wachsen um etwa 30 %. Deutsch kennt das Problem gut: Lange Komposita lassen sich nicht umbrechen. Das Beispiel des W3C ist ausgerechnet „Eingabeverarbeitungsfunktionen“, im Englischen drei kurze Wörter.
Wer von einer deutschen Fassung ausgeht, hat das Platzproblem also oft schon im Original. Neue Hürden bringen andere Schriften und Leserichtungen: Arabisch läuft von rechts nach links, dann müssen Menüs, Icons, Pfeile und Schrittanzeigen gespiegelt werden. Kurze Buttons, Tabs mit fester Breite und Text in Bildern brechen zuerst. Deshalb testen wir jede Sprachversion vor dem Start in mehreren Bildschirmbreiten.
Auch Schriften können versagen: Eine Schrift, die auf Deutsch gut aussieht, enthält nicht immer alle Zeichen einer anderen Sprache, etwa türkische Sonderzeichen oder arabische Schrift, und der Browser ersetzt sie dann ohne Hinweis. Prüfen Sie jede Sprache im echten Design mit echtem Text.
Wie verändert Lokalisierung die Suchmaschinenoptimierung?
In jedem Markt wird mit eigenen Begriffen gesucht, nicht mit Übersetzungen Ihrer Keywords. Ein Einkäufer in Frankreich nutzt vielleicht ein ganz anderes Wort für dieselbe Leistung, eine Kundin in Großbritannien ein anderes als eine in den USA. Die Keyword-Recherche gehört deshalb in jeden Markt und in dessen Sprache. Hier beginnt unsere Arbeit im internationalen SEO.
Lokalisieren Sie auch, was in den Suchergebnissen zu sehen ist: Seitentitel, Meta-Beschreibung, URL und Alternativtexte der Bilder. Das liest ein Käufer zuerst, lange bevor er die Seite öffnet. Erwähnungen und Links von Websites aus dem neuen Markt helfen zusätzlich, weil sie Suchmaschinen und KI-Assistenten zeigen, dass es die lokale Version wirklich gibt.
Google nennt einige technische Regeln für Websites in mehreren Sprachen:
- Geben Sie jeder Sprache eine eigene URL, etwa über Verzeichnisse wie /fr/ oder /en/, statt die Sprache per Cookie oder Browsereinstellung umzuschalten.
- Verknüpfen Sie die Versionen mit hreflang-Angaben, die in beide Richtungen zeigen: Verweisen zwei Seiten nicht gegenseitig aufeinander, ignoriert Google die Angaben. Ergänzen Sie eine x-default-Seite für alle anderen.
- Leiten Sie Besucher nicht automatisch nach Standort oder Browsersprache um. Bieten Sie einen Sprachumschalter an; Google rät davon ab, Inhalte nach IP-Adresse anzupassen, unter anderem weil der Googlebot meist aus den USA crawlt.
- Halten Sie jede Seite in einer Sprache. Google erkennt die Sprache am sichtbaren Text, nicht am lang-Attribut und nicht an der URL.
Müssen Sie für Österreich und die Schweiz lokalisieren?
Oft ja, obwohl die Sprache dieselbe ist. Mit hreflang lassen sich Deutsch für Deutschland, Österreich und die Schweiz getrennt auszeichnen (de-DE, de-AT, de-CH), und Googles Anleitung nutzt de-CH sogar selbst als Beispiel. In der Schweiz kommen Preise in Franken hinzu und eine andere Rechtschreibung: Im Schweizer Hochdeutsch wird ß in der Regel durch ss ersetzt. Eine Seite mit „Straße“ und Euro-Preisen wirkt dort sofort importiert.
Auch in Österreich unterscheiden sich manche Alltagswörter und Gewohnheiten. Prüfen Sie für jedes Land, ob eine eigene Version die erwarteten Anfragen rechtfertigt oder ob eine gemeinsame deutschsprachige Seite mit klaren Angaben zu Lieferung, Preisen und Ansprechpartnern genügt.
Wie sieht Lokalisierung auf einer echten Seite aus?
Nehmen Sie eine Preisseite. Die Übersetzung liefert dieselbe Tabelle mit übersetzten Beschriftungen. Die Lokalisierung geht sie Zeile für Zeile durch:
- Währung und Schreibweise des Preises: Dezimaltrennzeichen und Position des Währungssymbols.
- Ob Preise mit oder ohne Steuer erscheinen, je nachdem, was Verbraucher oder Geschäftskunden im jeweiligen Land erwarten.
- Einheiten: Kilogramm oder Pfund, Meter oder Fuß, je nach Markt.
- Die Zahlarten, die Käufer in diesem Land bevorzugen.
- Datum und Fristen im lokalen Format, damit 03/04 nicht als falscher Monat gelesen wird.
- Kontaktdaten, die vor Ort funktionieren: Telefonnummer mit Ländervorwahl, Erreichbarkeit in der lokalen Zeitzone und eine Antwortsprache, die der Kunde versteht.
Keine dieser Änderungen ist groß. Zusammen entscheiden sie, ob Besucher das Gefühl haben, die Seite sei für sie gemacht, oder ob sie nach Übersetzungstool klingt.
Wie halten Sie mehrere Sprachen aktuell?
Der schwierige Teil einer mehrsprachigen Website beginnt nach dem Start, sobald sich die Ausgangsseiten ändern. Ohne festen Ablauf erzählen die Sprachversionen nach wenigen Monaten Unterschiedliches. Ein paar Gewohnheiten verhindern das:
- Legen Sie eine Ausgangssprache fest und ändern Sie immer zuerst sie.
- Führen Sie ein Glossar mit Produktnamen und Fachbegriffen in jeder Sprache, damit dasselbe immer gleich heißt.
- Markieren Sie bei jeder Änderung die betroffenen Seiten in allen Sprachen und halten Sie fest, welche erledigt sind.
- Benennen Sie für jeden Markt eine Person, die dessen Seiten vor der Veröffentlichung freigibt.
Lohnt sich die Lokalisierung?
Käufer merken den Unterschied. CSA Research befragte 2020 insgesamt 8.709 Verbraucher in 29 Ländern: 76 % kaufen lieber Produkte mit Informationen in ihrer eigenen Sprache, 40 % kaufen nie auf Websites in anderen Sprachen. Am deutlichsten fiel das Ergebnis in Deutschland aus, wo 57 % der Befragten angaben, nur auf Websites in ihrer Sprache zu kaufen. Was Sie von Kunden in Deutschland kennen, gilt abgeschwächt auch anderswo.
Dieselbe Studie zeigt aber auch, dass ein niedrigerer Preis oder eine starke globale Marke für viele Befragte schwerer wiegt als die Sprache. Die Sprache allein schließt also keinen Verkauf ab. Eine Website, die fremd wirkt, startet trotzdem mit einem Nachteil.
Zur maschinellen Übersetzung
Maschinelle Übersetzung taugt als erster Entwurf und als günstiger Test für einen neuen Markt. Bevor eine Seite live geht, sollte jemand mit dieser Muttersprache Sinn, Ton und die tatsächlich gesuchten Begriffe prüfen.
Wo fangen Sie an?
- Wählen Sie einen Markt und legen Sie fest, was dort Erfolg heißt: Anfragen, Verkäufe oder Registrierungen.
- Recherchieren Sie Suchbegriffe und Wettbewerber in der Sprache dieses Markts.
- Bereiten Sie die Website vor: Unicode, flexible Layouts, Platz für längere Texte und bei Bedarf Unterstützung für Schriften von rechts nach links.
- Lokalisieren Sie zuerst die Seiten, die verkaufen: Startseite, wichtigste Leistungen oder Produkte, Preise, Kontakt und Checkout.
- Richten Sie Sprach-URLs, hreflang und einen sichtbaren Sprachumschalter ein.
- Messen Sie jeden Markt für sich und passen Sie die Texte an das an, was Menschen dort suchen und fragen.
Übersetzt kann man Sie lesen. Lokalisiert kann man sich vorstellen, bei Ihnen zu kaufen.
Wir lokalisieren Websites in acht Sprachen, darunter Englisch, Französisch, Spanisch und Arabisch mit gespiegeltem Layout, und jede Seite schreibt jemand in der eigenen Muttersprache. Wie ein Projekt abläuft, steht auf der Seite Website übersetzen lassen; wie wir eine neue Website von Anfang an für mehrere Sprachen planen, zeigt die Seite Webdesign.
Von Hatice Kölmük
Partnerin bei yop, Tallinn. Über uns
Quellen
- W3C: Localization vs. Internationalization
- W3C: Text size in translation
- Google Search Central: Tell Google about localized versions of your page
- Google Search Central: Managing multi-regional and multilingual sites
- CSA Research: Survey of 8,709 consumers in 29 countries finds that 76% prefer purchasing products with information in their own language (2020)
- Wikipedia: ß (Verwendung in der Schweiz und in Liechtenstein)
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Die Leistungen hinter diesem Beitrag.
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Fragen
Häufige Fragen zum Übersetzen einer Website.
Was kostet es, eine Webseite übersetzen zu lassen?
Was kostet es, eine Webseite übersetzen zu lassen?
Das hängt von der Zahl der Seiten und Sprachen ab und davon, wie viel über den Text hinaus angepasst werden muss. Bei yop hat die Lokalisierung einen Festpreis je Phase, vereinbart nach einem Markt- und Sprachplan; der erste Markt trägt den größten Teil, weitere Märkte nutzen dieselbe technische Basis.
Braucht jedes Land eine eigene Domain?
Nein. Sprachverzeichnisse auf einer Domain, etwa /fr/ oder /en/, sind am einfachsten zu pflegen. Eine Länderdomain lohnt sich, wenn ein lokaler Auftritt in einem Markt wichtiger ist als alles andere; Google unterstützt beide Varianten.
Was ist der Unterschied zwischen Lokalisierung und Internationalisierung?
Internationalisierung bereitet eine Website technisch darauf vor, beliebige Sprachen und Regionen aufzunehmen. Lokalisierung nutzt diese Vorbereitung, um die Website an einen bestimmten Markt anzupassen.
Welche Seiten sollte ich zuerst lokalisieren?
Die Seiten, die Käufer zur Entscheidung führen: Startseite, wichtigste Leistungs- oder Produktseiten, Preise sowie Kontakt oder Checkout. Blog und Hilfeseiten können folgen, sobald Sie Nachfrage sehen.







