SaaS
Was ist SaaS und worauf kommt es an, wenn Sie eines bauen?
SaaS (Software as a Service) ist Software, die Sie über das Internet nutzen, meist im Browser, und im Abo bezahlen, statt eine Lizenz zu kaufen und sie selbst zu installieren. Der Anbieter betreibt, aktualisiert und wartet sie; Sie melden sich an und arbeiten.
Von Hatice Kölmük8 Min. Lesezeit
Was bedeutet SaaS genau?
Die gängige Definition stammt vom NIST, dem Normungsinstitut der USA, aus seiner Definition des Cloud Computing vom September 2011. Danach nutzt der Kunde beim SaaS-Modell Anwendungen des Anbieters, die auf einer Cloud-Infrastruktur laufen. Er greift über den Browser oder ein Programm darauf zu und kümmert sich weder um Server noch um Betriebssystem oder Speicher, allenfalls um einige Einstellungen der Anwendung.
Einfacher gesagt: Ein installiertes Programm gehört Ihnen, seine Pflege auch. Bei SaaS mieten Sie die Nutzung. Erscheint morgen eine neue Version, haben Sie sie ohne eigenes Zutun; kündigen Sie, endet der Zugang.
Das NIST nennt fünf Merkmale, die Cloud-Dienste gemeinsam haben. Sie erklären gut, warum sich SaaS anders anfühlt als klassische Software:
- Selbstbedienung: Sie richten Konten und Funktionen selbst ein, ohne beim Anbieter anzurufen.
- Zugang über das Netz: Die Software läuft auf Laptop, Tablet und Smartphone.
- Gemeinsame Ressourcen: Der Anbieter bedient viele Kunden über dieselbe Infrastruktur, im sogenannten Multi-Tenant-Modell.
- Schnelle Skalierung: Kapazität wächst und schrumpft mit dem Bedarf.
- Gemessene Nutzung: Der Verbrauch wird erfasst, gesteuert und ausgewiesen.
Welche SaaS-Beispiele nutzen Sie schon?
Wahrscheinlich mehr, als Sie denken. Gmail, Microsoft 365, Slack, Zoom, Canva, Shopify oder Salesforce funktionieren als SaaS: Browser oder App öffnen, anmelden, arbeiten, ohne eigene Server und ohne Updates einzuspielen. Dasselbe gilt für viele Programme für Buchhaltung, Lohnabrechnung, Terminbuchung oder CRM, mit denen Unternehmen in Deutschland täglich arbeiten.
Das ist längst Alltag. Laut Statistischem Bundesamt nutzten 2025 54 % der Unternehmen in Deutschland mit mindestens zehn Beschäftigten kostenpflichtige Cloud-Dienste. Genutzt wurden sie am häufigsten für E-Mail (76 % der Cloud-Nutzer), Datenspeicherung (71 %) und Office-Anwendungen (68 %); ERP- und CRM-Software aus der Cloud kam jeweils auf 23 %. Cloud umfasst mehr als SaaS, die Zahlen zeigen aber, wie selbstverständlich gemietete Software geworden ist.
Was ist der Unterschied zwischen SaaS, PaaS und IaaS?
Alle drei sind Servicemodelle der Cloud. Sie unterscheiden sich darin, was Sie selbst verwalten und was der Anbieter übernimmt. Die NIST-Definition trennt sie so:
| Modell | Was der Anbieter stellt | Was Sie steuern | Typischer Einsatz |
|---|---|---|---|
| SaaS (Software as a Service) | Eine fertige Anwendung | Ihre Daten und einige Einstellungen | Ein CRM oder Buchhaltungsprogramm im Browser nutzen |
| PaaS (Platform as a Service) | Eine Plattform, auf der Sie eigene Anwendungen bereitstellen | Ihre Anwendung und die Einstellungen ihrer Umgebung | Die selbst entwickelte App veröffentlichen |
| IaaS (Infrastructure as a Service) | Rechenleistung, Speicher und Netzwerk | Betriebssystem, Speicher und Anwendungen | Eigene virtuelle Server betreiben |
Ein Bild aus der Fertigung hilft: Bei IaaS mieten Sie eine leere Halle, bei PaaS eine Halle mit eingerichteter Werkstatt, bei SaaS bestellen Sie das fertige Teil. Je weiter oben, desto weniger Technik müssen Sie selbst betreuen, desto weniger können Sie aber auch daran ändern.
Warum setzen so viele Unternehmen auf SaaS?
- Planbare Kosten: eine Monats- oder Jahresgebühr statt einer teuren Lizenz zu Beginn.
- Schneller Start: Konto anlegen und am selben Tag arbeiten.
- Updates übernimmt der Anbieter, Sicherheitsupdates eingeschlossen.
- Zugriff von überall, auf jedem Gerät mit Internetverbindung.
- Wächst mit: Nutzer hinzufügen oder den Tarif wechseln, sobald es nötig ist.
Es gibt auch Nachteile. Sie hängen von der Verbindung und vom Anbieter ab: Erhöht er die Preise, streicht er Funktionen oder gibt er auf, trifft es Sie. Und Ihre Daten liegen auf seinen Servern, also müssen Sie genau wissen, wo sie liegen und wer darauf zugreifen kann. Dazu mehr weiter unten.
Wie verdient ein SaaS-Anbieter Geld?
Das Geschäftsmodell beruht auf wiederkehrenden Umsätzen: Statt einmal zu verkaufen, rechnen Sie jeden Monat oder jedes Jahr ab, solange der Kunde das Produkt nutzt. Das verändert, welche Kennzahlen zählen, und bringt eigene Begriffe mit:
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| MRR | Monthly Recurring Revenue: was alle laufenden Abos zusammen im Monat einbringen, ohne Einmalzahlungen |
| Churn | Der Anteil an Kunden oder Umsatz, der in einem Zeitraum verloren geht; er zeigt, ob Kunden bleiben |
| Tarife | Preisstufen nach Funktionen, Nutzerzahl oder Verbrauch, oft mit kostenloser Testphase |
| Anteilige Abrechnung | Nur den Teil des Monats berechnen, den eine Änderung betrifft, etwa zusätzliche Nutzer ab Monatsmitte |
| Mahnlauf (Dunning) | Was nach einer fehlgeschlagenen Zahlung passiert: neue Versuche, Erinnerungen per E-Mail und am Ende ein pausiertes Konto |
| Multi-Tenant | Eine Codebasis und eine Datenbank für viele Kunden, die Daten jedes Kunden sauber getrennt |
Praktisch heißt das: Ein SaaS lebt davon, dass Kunden bleiben. Wer nach drei Monaten wieder kündigt, kostet in der Gewinnung oft mehr, als er einbringt. Produkt, Support und Abrechnung müssen deshalb vom ersten Monat an funktionieren.
Worauf müssen Sie achten, wenn Sie ein SaaS entwickeln?
Ein SaaS zu bauen heißt nicht nur, die Kernfunktion zu programmieren. Drumherum gibt es Bausteine, die Kunden erst bemerken, wenn sie fehlen:
- Konten und Rechte: Registrierung, Einladungen, Rollen und ein eigener Bereich je Kunde, damit eine Codebasis alle Firmen bedient.
- Abrechnung: Monats- und Jahrestarife, Testphasen, Tarifwechsel und Rechnungen mit Umsatzsteuer, angebunden an einen Zahlungsanbieter wie Stripe.
- Ein internes Backoffice: wer sich registriert hat, wer zahlt und wer hängen bleibt, damit der Support nicht in einer Tabelle lebt.
- Sicherheit und Backups: Verschlüsselung, getestete Backups und Monitoring.
- Datenexport: Kunden sollen ihre Daten mitnehmen können, wenn sie gehen. Das ist fair, und in der EU hat es auch eine rechtliche Seite, dazu gleich mehr.
Bevor Sie alles bauen, prüfen Sie die Idee. Starten Sie mit Registrierung, der Kernaufgabe und einem Tarif, schauen Sie, wer zahlt, und bauen Sie den Rest danach. Genau dafür gibt es unsere MVP-Entwicklung: die erste Version, für die jemand zu zahlen bereit ist.
Was gilt nach der DSGVO für ein SaaS?
Verarbeitet Ihr SaaS personenbezogene Daten im Auftrag Ihrer Kunden, etwa Daten ihrer Beschäftigten oder Endkunden, sind Sie in der Regel Auftragsverarbeiter. Artikel 28 DSGVO verlangt dann einen Vertrag oder ein anderes Rechtsinstrument. Darin steht unter anderem, was verarbeitet wird, wie lange, auf welche Art und zu welchem Zweck, welche Datenarten betroffen sind und welche Rechte und Pflichten Ihr Kunde als Verantwortlicher hat. Sie verarbeiten die Daten nur nach seinen dokumentierten Anweisungen, und der Vertrag muss schriftlich vorliegen, wobei ein elektronisches Format genügt.
In Deutschland heißt dieser Vertrag meist AV-Vertrag. Halten Sie ihn bereit, bevor der erste Kunde unterschreibt, nicht erst, wenn dessen Datenschutzbeauftragte danach fragt. Nach Artikel 28 Absatz 1 dürfen Verantwortliche nur mit Auftragsverarbeitern arbeiten, die ausreichende Garantien für geeignete technische und organisatorische Maßnahmen bieten. Ihre Kunden werden diese Garantien also prüfen.
Achten Sie auch darauf, wo die Daten liegen. Stehen Ihre Server oder die Ihrer Dienstleister außerhalb der EU, greifen die Regeln der DSGVO für Übermittlungen in Drittländer. Das ist oft eine der ersten Fragen größerer Kunden in Deutschland, und Hosting in der EU macht dieses Gespräch deutlich kürzer.
Dazu kommt der Data Act der EU, der seit dem 12. September 2025 gilt. Er enthält unter anderem Regeln, damit Kunden zwischen Anbietern von Datenverarbeitungsdiensten wie Cloud-Diensten wechseln können. Lassen Sie klären, was das für Ihr Produkt bedeutet; ein vollständiger Datenexport von Anfang an erspart später Ärger.
Wie lange dauert es, ein SaaS zu starten?
Eine erste Version, die Geld einnimmt, braucht meist einige Monate, je nach Kernfunktion und Anbindungen. Den Zeitplan verlängern weniger die Idee als die Details:
- Komplexe Preise: Abrechnung nach Verbrauch oder Nutzerzahl, Gutscheine und Jahresverträge bringen Regeln und Tests mit.
- Rollen: Inhaber, Admins, Mitglieder und Gäste sehen und dürfen Verschiedenes, und jede Regel braucht eine Prüfung.
- Integrationen: Jedes externe Werkzeug, das Kunden erwarten, vom Kalender bis zur Buchhaltung, ist ein Konnektor, der gebaut und gepflegt werden muss.
- Größere Kunden: Single-Sign-on, Audit-Logs und der Speicherort der Daten werden Thema, sobald ein großes Unternehmen Interesse zeigt.
- Mehrere Länder: Mehr Sprachen und Märkte bedeuten mehr Texte, Währungen und Steuerregeln auf jeder Rechnung.
Bei yop arbeiten wir in Phasen mit Festpreis: ein Workshop dazu, wer zahlt und wofür, ein klickbarer Prototyp, wöchentliche Releases auf einen Test-Link mit Abrechnung im Testmodus von Anfang an, dann der Start mit echten Zahlungen, Monitoring und Backups. Repository, Hosting und das Konto beim Zahlungsanbieter laufen auf Ihr Unternehmen. Mehr dazu auf der Seite SaaS-Entwicklung.
SaaS oder Individualsoftware für ein einzelnes Unternehmen?
Nicht jedes Produkt muss ein SaaS sein. Nutzt nur Ihr eigenes Unternehmen die Software, etwa ein internes CRM oder ERP, brauchen Sie weder Tarife noch Abrechnung noch Trennung zwischen Kunden, sondern Individualsoftware. SaaS lohnt sich, wenn Sie dasselbe Produkt an viele Firmen verkaufen wollen, die regelmäßig zahlen.
Mit dem Start ist ein SaaS nicht fertig. An diesem Tag beginnt es, Geld einzunehmen, und muss sich jede Verlängerung neu verdienen.
Von Hatice Kölmük
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Fragen
Häufige Fragen zu SaaS.
Was ist der Unterschied zwischen SaaS und klassischer Software?
Was ist der Unterschied zwischen SaaS und klassischer Software?
Klassische Software kaufen Sie als Lizenz und installieren sie auf eigenen Rechnern oder Servern; SaaS nutzen Sie über das Internet und zahlen im Abo. Betrieb, Updates und Sicherheit übernimmt beim SaaS der Anbieter.
Ist SaaS dasselbe wie Cloud?
Nicht ganz. Cloud ist der Oberbegriff für mehrere Servicemodelle, SaaS ist eines davon, neben PaaS und IaaS. Bei SaaS bekommen Sie eine fertige Anwendung, bei den anderen beiden die Grundlage, um eigene Software zu betreiben.
Was ist ein SaaS-Anbieter?
Ein SaaS-Anbieter entwickelt und betreibt Software, die Kunden über das Internet nutzen und im Abo bezahlen. Er kümmert sich um Hosting, Updates, Sicherheit und Support; verarbeitet er dabei personenbezogene Daten im Auftrag seiner Kunden, braucht er nach Artikel 28 DSGVO einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung.
Ist ein SaaS mit der DSGVO vereinbar?
Ja, wenn der Anbieter die DSGVO einhält, einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung mit Ihnen schließt und offenlegt, wo die Daten liegen. Fragen Sie außerdem nach Backups und danach, wie Sie Ihre Daten bei einem Wechsel exportieren.
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